Ralf Zerweck, zuletzt Director Global R&D bei Weller Tools, verfügt über mehr als 34 Jahre Erfahrung und Expertise in der Forschung und Entwicklung von Lötgeräten. Ende 2024 ist er in seinen wohlverdienten Ruhestand getreten, doch bis vor Kurzem gab er sein umfangreiches Wissen und seine Erfahrung noch an die nächste Generation von F&E-Ingenieuren, Kunden und Anwendern weiter. Zeit, seine persönliche Geschichte zu erzählen und den Kopf hinter all dem kennenzulernen.
Inspiration durch die Stimme des Kunden
Ralf Zerweck bezieht seine Inspiration für neue Innovationen, etwa die RT Active Tips oder die WXsmart Tweezers, aus der genauen Beobachtung von Fachleuten in der Praxis. Dabei erkennt er Schwachstellen oder Ineffizienzen in ihren Arbeitsabläufen, die Ideen für bessere und präzisere Werkzeuge auslösen. Außerdem verfolgt er Fortschritte in der Werkstoffkunde und Elektronik und verschiebt gemeinsam mit seinem F&E-Team die Grenzen von Miniaturisierung, Temperaturregelung und ergonomischem Design, um Werkzeuge zu schaffen, die intelligenter, effizienter und rundum zukunftssicher sind.
Alles rund um die perfekte Lötspitze
Wenn es um die Highlights der Entwicklungen in seiner Laufbahn geht, ist Ralf Zerweck besonders stolz auf die RT Active Tips. Die wichtigste Erfindung dabei ist die Positionierung des Sensors direkt vorne an der Lötspitze, die zu einer schnellen Rückmeldung der aktuellen Lötspitzentemperatur führt. Das sorgt für beste Lötleistung. Eine extrem hohe Heizleistung bei kleinsten Abmessungen sowie ein schneller, einfacher und werkzeugloser Lötspitzenwechsel selbst im heißen Zustand sparen Zeit und minimieren das Risiko von Verbrennungen.
„Der schnelle und einfache Wechsel der Lötspitze ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Lötwerkzeugs. Wenn der Wechsel kompliziert ist und zu lange dauert, wechselt der Anwender die Lötspitze im Zweifel nicht und lötet mit einer Spitze, die für die Anwendung ungeeignet ist.“
Ralf erklärt, dass eine falsche Spitzenform oder -größe zu schlechtem Lötfluss, unvollständigen Lötstellen oder einer Überhitzung der umliegenden Bereiche führen kann. Die richtige Lötspitze ermöglicht eine gute Kontrolle über den Lotauftrag und verhindert Schäden an Bauteilen. Lötspitze und Griffstück sind fest miteinander verbunden, was zu einer hohen Steifigkeit zwischen Griff und Spitze führt und eine besonders präzise Anwendung ermöglicht.
Für ihn ist die Lötspitze entscheidend für qualitativ hochwertige Lötstellen. Ob man an empfindlicher Elektronik oder an robusten Lötanwendungen arbeitet: Die richtige Lötspitze und ihre richtige Pflege stellen sicher, dass die Wärme korrekt aufgebracht wird, dass Bauteile nicht beschädigt werden und dass die Lötstelle stabil und funktionsfähig ist. In Branchen wie der Elektronik oder der Fertigung, in denen Präzision entscheidend ist, macht das den Unterschied für die Qualität des Endprodukts.
„Es ist außerordentlich wichtig für unsere Arbeit, den Markt genau zu beobachten, um zu wissen, was in Zukunft gebraucht wird. Die Entwicklung muss immer auf die Zukunft ausgerichtet sein und nicht nur auf die aktuellen Herausforderungen. Natürlich hat auch die Stimme der Kunden Einfluss auf unsere Entwicklungsarbeit. Wir müssen den Kunden und ihren Ideen und Lösungen für unsere Werkzeuge zuhören. Aber es ist genauso wichtig, die Probleme der Kunden zu verstehen und dann eigenständige, innovative Lösungen zu entwickeln.“
Ralf Zerwecks wichtigste Lötspitzen-Eigenschaften
Effizienz der Wärmeübertragung
Die Lötspitze ist der primäre Kontaktpunkt zwischen Werkzeug und Werkstück. Sie überträgt die Wärme vom Lötkolben zur Lötstelle. Die Effizienz dieser Wärmeübertragung hängt stark von Form, Größe und Material der Lötspitze ab.
Warum das wichtig ist: Ist die Wärmeübertragung ineffizient, kann das zu kalten Lötstellen (schwach und unzuverlässig), zu übermäßiger Hitze (die Bauteile beschädigen kann) oder zu längeren Lötzeiten führen, was das Risiko von thermischem Stress für empfindliche Bauteile erhöht.
Form und Größe der Lötspitze
Unterschiedliche Lötanwendungen erfordern unterschiedliche Spitzenformen und -größen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Feine konische Lötspitzen eignen sich zum Beispiel hervorragend für Präzisionsarbeiten an kleinen, empfindlichen Bauteilen, während größere Lötspitzen mit höherer Wärmekapazität besser für größere Lötstellen oder breitere Flächen geeignet sind, an denen mehr Wärme benötigt wird.
Warum das wichtig ist: Eine falsche Spitzenform oder -größe kann zu schlechtem Lötfluss, unvollständigen Lötstellen oder einer Überhitzung der umliegenden Bereiche führen. Die richtige Lötspitze ermöglicht eine präzise Kontrolle über den Lotauftrag und verhindert Schäden an Bauteilen.
Material und Beschichtung der Lötspitze
Material und Beschichtung der Lötspitze beeinflussen Langlebigkeit, Wärmespeicherung und Oxidationsbeständigkeit maßgeblich. Heutige Lötspitzen haben einen Kupferkern, der gut für die Wärmeleitfähigkeit ist, mit einer schützenden Eisenbeschichtung, die der Oxidation widersteht.
Warum das wichtig ist: Eine Lötspitze, die schnell oxidiert oder korrodiert, verringert die Wärmeübertragung und erschwert das Löten. Richtig beschichtete Lötspitzen halten länger und behalten ihre Leistung über die Zeit, was für gleichbleibende Ergebnisse sorgt.
Thermische Erholung
Die thermische Erholung beschreibt, wie schnell die Lötspitze nach jeder Lötstelle wieder auf die eingestellte Temperatur zurückkehrt. Lötspitzen mit guter thermischer Erholung ermöglichen schnelleres und effizienteres Löten, weil der Anwender weiterarbeiten kann, ohne auf das Wiederaufheizen der Lötspitze zu warten.
Warum das wichtig ist: In anspruchsvollen Umgebungen wie Produktionslinien bedeutet eine schnelle thermische Erholung weniger Ausfallzeit und präzisere Lötstellen, besonders bei Aufgaben mit hohem Volumen, bei denen Temperaturschwankungen zu ungleichmäßigen Ergebnissen führen können.
Wie geht es weiter?
„Nach 34 Jahren bei Weller Tools werde ich wahrscheinlich die Arbeit selbst vermissen. Aber am meisten werde ich dieses großartige Team vermissen. Über das, was ich nicht vermissen werde, denke ich nicht nach. Sehr wohl aber werde ich es zu schätzen wissen, mehr Zeit für meine Familie und besonders für meinen Enkel zu haben, worauf ich mich sehr freue. Und ich habe viele Hobbys, sodass mir sicher nicht langweilig wird.“
Faszination für Details und Einfachheit
Für Ralf Zerweck ist der faszinierendste Aspekt bei der Entwicklung von Lötspitzen ihre Größe und die Einfachheit der Produkte. Es ist nur ein kleiner, aber wichtiger Teil der F&E-Arbeit bei Weller Tools. Und dennoch fasziniert es ihn so sehr, weil es sich um ein scheinbar einfaches Bauteil handelt, das trotzdem sehr komplex ist. Das Zusammenspiel der Materialien ist das Spannende daran. Die Lötspitze muss vorne benetzbar sein und hinten nicht benetzbar, sie muss außerdem eine hohe Wärmeleitfähigkeit, eine hohe Wärmekapazität und einen hohen Schmelzpunkt besitzen und zugleich kostengünstig sein, weil sie ein Verschleißteil ist. All diese Aspekte machen die Herausforderungen der Lötspitzen-Entwicklung für ihn so reizvoll.
Der WT1M als das nächste große Projekt
Das letzte große Projekt in seiner Laufbahn bei Weller Tools war die Entwicklung des neuen WT1M-Konzepts, das ihm sowohl aus Sicht der Entwicklung als auch der Nachhaltigkeit gefällt. Der wichtigste Vorteil dieser brandneuen Weller-Lötstation wird sein, dass Kunden Wellers Aktivspitzen-Werkzeuge nun in Kombination mit der kostengünstigen WT-Midrange-Serie nutzen können und so Geld und Ressourcen sparen.
Bei einem Konzept wie dem WT1M haben Ralf und sein Team auch die intuitive Bedienung und Benutzerfreundlichkeit sowie die einfache und kostengünstige Entwicklung berücksichtigt. Im F&E-Prozess ging es ihnen darum, die technischen Herausforderungen zu lösen und Risiken ohne übermäßigen Zeit- oder Budgetaufwand zu vermeiden. Er weiß, dass Entwickler häufig die möglichen Risiken oder Herausforderungen bewerten, die auftreten könnten, etwa Kompatibilitätsprobleme, Wartung und Leistung über die Zeit.
Nachhaltigkeit war ein zentraler Faktor beim Design des WT1M. Mit anderen Worten: Welche Materialien und Ressourcen werden für die Produktion benötigt? Sind sie erneuerbar oder recycelbar, und wie sieht der CO2-Fußabdruck des Konzepts über seinen gesamten Lebenszyklus aus, von der Entwicklung bis zur Entsorgung?
Und schließlich: Fördert das WT1M-Konzept die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft wie Wiederverwendung, Reparatur und Recycling? Ein weiteres wichtiges Thema war hier die Energieeffizienz der Lötstationen und Lötwerkzeuge, da Nachhaltigkeit in Technologie und Design oft den Energieverbrauch in den Vordergrund stellt. Deshalb soll das WT1M-Konzept den Energieverbrauch im Vergleich zu früheren Modellen senken.
Aus beiden Perspektiven sieht Ralf den WT1M als eine rundum gelungene Innovation, die einem breiten Markt viele Vorteile bringt, und er freut sich bereits auf die Rückmeldungen der Kunden. Er weiß um die Bedeutung jeder Rückmeldung, ob positiv oder negativ, damit das F&E-Team auch in Zukunft das Beste für die Weller-Kunden tun kann.
Mit Blick auf die technologischen und marktbezogenen Entwicklungen im Lötbereich ist Ralf überzeugt, dass das Handlöten auch in Zukunft ein wichtiger Aspekt bleiben wird. Leiterplatten werden teurer, und Rohstoffe sind begrenzt, sodass die Reparatur von Leiterplatten eine wichtigere Rolle spielen wird. KI wird dabei in den Mittelpunkt rücken und intelligente, KI-gestützte Lötlösungen hervorbringen. In Zukunft wird es KI-gestützte, intelligente Löteinheiten geben. Mit der High-End-Lötstation WXsmart ist Weller Tools bereits gut für die Integration von KI aufgestellt. Solche Maschinen könnten den gesamten Prozess eigenständig übernehmen: vom Erkennen der Bauteile und der Auswahl der passenden Prozessparameter über das Anlegen der richtigen Löttemperatur und die Wahl der richtigen Lötspitze bis hin zur Prüfung der Lötstellenqualität. Er erkennt den Bedarf an datengetriebenen Optimierungen für schnellere Innovation und bessere Prozesse. Genau hier wird KI mit Sicherheit einen großen Einfluss auf unsere F&E-Arbeit haben. Die Produktentwicklungszeiten werden immer kürzer, und KI ist in der Forschungsarbeit bereits Standard.
„Meine Zeit bei Weller war sehr spannend. Wir waren stets in der Lage, das zu entwickeln, was wir für innovativ und gut hielten. Ich bin stolz auf alles, was das Team während meiner Zeit bei Weller entwickelt hat. Unsere Forschung und Entwicklung ist ein erfahrenes und zugleich sehr innovatives Team, dank der Mischung aus jüngeren und erfahreneren Mitarbeitenden. Ich glaube nicht, dass sie meinen Rat brauchen. Ich sehe Wellers F&E als gut für die Zukunft gerüstet, und ich bin fest davon überzeugt, dass Weller auch in Zukunft der Maßstab bleiben wird.“